Vier Mythen rund um Kreativität – Newsletter VI 2013

Nachdem ich in den nächsten Wochen einige Workshops und Seminare zu einem meiner Lieblingsthemen „Kreativität“ halte, ist es mir ein Anliegen, die vier Mythen, die ich am häufigsten zu diesem Thema höre, zu entkräften. Bekanntermaßen bin ich in meinem Job extrem kreativ – denken Sie zum Beispiel an die Wortgeschichten, die ich Ihnen gerne zu Vokabeln mache, die Sie oder Ihre Kinder/Enkel/Neffen/Nichten sich nicht merken können. Dazu bitte ich um ein Posting auf Facebook. Posten Sie mir die Vokabel, die Sie sich noch nie merken konnten. Dabei entsteht dann eine schöne win-win-Situation: ich darf kreativ sein und Sie werden sich die Vokabel vermutlich bis in alle Ewigkeit merken. Also nicht zögern: Die Gedächtnistrainerin auf Facebook.

Mythos Nummer 1: Ich kann nicht malen, deshalb bin ich nicht kreativ.

Willkommen im Club! Ich kann auch nicht malen, zeichnen oder auch nur mein Büro ohne fremde Hilfe so herrichten, dass ich es selbst als einladend empfinde. Das weiß ich und ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die zeichnen können (zum Beispiel meine geniale Illustratorin Elke Schmalfeld von www.positoons.de), Büros einrichten oder mit einer Kleinigkeit einen Tisch zur schönen Tafel werden lassen.

Ich weiß aber inzwischen auch, dass wir trotzdem alle kreativ sind – auch die nicht künstlerisch Begabten. Das ganze Leben besteht aus kreativen Einfällen – sogar in eher „trockenen“ Bereichen wie Controlling, Mathematik oder englischer Grammatik waren Sie mit Sicherheit schon des Öfteren kreativ. Nein, ich spreche nicht von kreativer Buchführung – das kommt beim Finanzamt meistens nicht so gut an. Ich spreche von Problemlösungen! Überlegen Sie sich, wie oft Sie eine Aufgabe lösen, die nicht nach „Schema F“ herauszubekommen ist. Und dann freuen Sie sich darüber, dass Sie kreativ sind.

Das kann sein, dass Sie zum x-ten Mal einen Plan umschmeißen oder modifizieren müssen, weil sich Termin, teilnehmende Personen, Ort etc. ändern. Oder Sie müssen einem Kunden einen Brief/E-Mail schreiben und ihm etwas Komplexes mitteilen. Oder Sie überlegen sich jährlich etwas Neues zu Weihnachten für Ihre Angestellten. Oder Sie planen die Kinderbetreuung….

Kreativität haben wir alle in uns – Kreativität beruht auf den Lebenserfahrungen, die wir gemacht haben und darauf, wie wir sie zu etwas Neuem verbinden. Versuchen Sie, im Alltag darauf zu achten, wie oft Sie Aufgaben auf Ihre Art lösen, ohne dass das Lösungsschema vorgegeben war. Und dann seien Sie bitte stolz und glücklich, weil Sie Ihre Kreativität entdeckt haben!

Mythos Nummer 2: Kreativitätstechniken = Brainstorming

Die einzige Kreativitätstechnik, die wohl 99% der Bevölkerung bekannt ist, ist das „Brainstorming“. Brainstorming wird oft in Meetings angewendet, in denen ohne Vorgaben eine Zeitlang Ideen gesammelt werden. Meist werden die Ideen gleich kritisiert („zu teuer“, „noch nie gemacht“, „das macht schon Konkurrent XY“, „finde ich doof“), die übrigen Ideen aufgeschrieben und dann in eine Schublade gesteckt oder in einer Datei abgelegt. Dort bleiben sie dann – ich könnte jetzt schreiben „reifen sie dann“, aber dazu gehörte, dass die Ideen wieder aufgegriffen werden. Das passiert oft nicht. Resultat: die nächste Sitzung wird schon lustlos angegangen, Bestätigung über die Nutzlosigkeit von Brainstorming wird gegeben und irgendwann schlafen die Sitzungen ein.

Ja, es geht auch anders! Es gibt zum einen viele modifizierte Arten des Brainstormings – eine von mir vielzitierte Art ist das „Kopfstandbrainstorming“ . Zudem gibt es jenseits des Brainstormings noch jede Menge Kreativitätstechniken wie die ABC-Liste, De Bonos Denkhüte und verschiedene Brainwritingmethoden. Das Feld ist weit, Literatur gibt es unendlich viel, so dass sich jeder wirklich „seine“  Technik heraussuchen und sie anwenden kann. Dabei gibt es für den/die Einzelkämpfer oder Einzelkämpferin bis zum großen Team für jeden etwas. Detaillierte Informationen können Sie in dem unten empfohlenen Buch nachlesen oder Sie können  sich von mir in einem Workshop oder Vortrag in die Materie einführen lassen.

Wenn Sie spontan sein können, dann lade ich Sie für nächsten Freitag, 22.02.2013 ein:

Ideen entwickeln in kleinen Teams, in Nürnberg von 13:00 Uhr bis 16:30 Uhr.

Mythos Nummer 3: Mir fällt trotzdem nichts ein

Wenn ich Sie davon überzeugt habe, dass auch in Ihnen sehr viel Kreativität steckt, dann kommt trotzdem immer wieder der Gedanke oder Satz: „Kann ja sein, dass ich kreativ bin, aber zu der vorgegebenen Aufgabe fällt mir trotz Kreativitätstechnik nichts ein.“

Das wichtigste an der Kreativität ist, sie zuzulassen. Versuchen Sie, quer zu denken. Das können Sie üben, z.B. mit den um-die-Ecke-gedacht-Rätseln, die es in vielen Zeitungen gibt. Oder mit den Geschichten von Herrn Pasulke, (Rätselgeschichten – Was geschah mit Herrn Pasulke?: 197 spannende, witzige, merkwürdige und unheimliche Fälle, Mosaik bei Goldmann). Oder Sie nehmen immer mal wieder einen Alltagsgegenstand in die Hand und überlegen sich, was Sie damit sonst noch anstellen könnten.

Beispiel: ein Bleistift könnte dienen als Wurfholz, Stöpsel für die Badewanne (für ausreichende Anzahl an Bleistiften sorgen), Nasenbohrer, Stiel für selbstgemachtes Eis, Richtungsweiser etc.

Wenn Ihnen anfangs nichts einfällt, nehmen Sie sich die ABC-Liste zu Hilfe: Angelhaken, Buchzeichen, zum Chamäleon kitzeln, Dosenöffnet etc. Unser Gehirn arbeitet besser, wenn Sie ihm eine gewisse Struktur vorgeben. Also entweder die ABC-Liste oder auch Zeitvorgaben.

Je öfter Sie kreativ werden, desto besser funktioniert es. Garantiert!

Mythos Nummer 4: ich habe keine Zeit zum kreativ sein

Die Anwendung der meisten Kreativitätstechniken dauert von 2 bis ca. 60 Minuten, je nachdem, was Sie wählen und ob Sie im Team oder alleine auf Ideensuche gehen. Die Suche nach Ideen ohne Anleitung dauert wesentlich länger und hat vor allem meist Ergebnisse zur Folge, die im Rahmen Ihrer normalen Denk- und Arbeitswelt liegen.

Die neuen, verblüffenden Ideen kommen im Arbeitsalltag am besten mit Anleitung zustande, sprich: mit Kreativitätstechniken. Das Zeitargument zählt also nicht, eher im Gegenteil. Statt ohne Plan herumzugrübeln, empfehle ich Ihnen, ohne Verzögerung eine einfache Kreativitätsmethode anzuwenden. Das spart Zeit und Energie.

Probieren Sie es aus!

Herzlichst,

Ihre Julia Hayn