Sag mir, was Du riechst und ich sage Dir, wieviel Du kaufst

Der Geruchssinn des Menschen ist der evolutionsgeschichtliche älteste – schon Einzeller haben und hatten die Fähigkeit, bestimmte chemische Substanzen wahrnehmen zu können.

Der Mensch riecht, indem entweder durch die Atemluft aufgenommene Moleküle an der Riechschleimhaut andocken und dort Reize im Gehirn auslösen. Oder durch die Mundschleimhaut gelangen Geruchsmoleküle an die Geschmacksrezeptoren und senden dort entsprechende Informationen ans Gehirn. Beide Komponenten arbeiten natürlich eng zusammen. Gut nachzuempfinden in der momentanen Schnupfenzeit, wenn viele von uns aufgrund des Schnupfens Speisen als nicht mehr so aromatisch empfinden. Hier fehlen im Moment die Reize über die in Mitleidenschaft gezogene Riechschleimhaut.

Was den Geruchssinn von den anderen vier Sinnen abhebt, ist die Tatsache, dass er direkt mit Amygdala (Mandelkern) und Frontallappen verbunden ist. Die Amygdala ist unser Emotionszentrum, der Frontallappen ist das Zentrum für komplexe Handlungsplanungen. Genauso ist es mit dem Hippocampus, unser Zentrum für Langzeiterinnerungen. Geruchsreize werden direkt an den Hippocampus weitergegeben. So ist das Phänomen zu erklären, dass wir mit einem bestimmten Geruch plötzlich wie als Flash per Zeitreise in eine andere Zeit zurückgebeamt werden können – z.B. wenn uns ein bestimmter Geruch eine bestimme Kindheitserinnerung plötzlich wiederbringt.

Das alles erklärt die Tatsache, dass Gerüche einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Wir nehmen zwar direkt mit unseren anderen Sinnen mehr wahr, aber unser Geruchssinn steuert uns sozusagen auf der emotionalen Ebene. Und das wiederum haben findige Marketingstrategen auch schon mitbekommen.

In den USA ist es gang und gäbe, dass in den Supermärkten mit Düften gearbeitet wird. Das ist hierzulande noch nicht üblich, zu groß ist die Angst vor Vorwürfen der Manipulation. Doch es gibt entsprechende Versuche. So bewerteten Bahngäste die Fahrten der Bahn, in denen ein Duftmix aus als beruhigend geltenden Aromen verteilt wurde, die Fahrten als positiver als in Zügen ohne den Mix aus Rosenholz, Melone und Jasmin.

Die Modefirma Abercrombie und Fitch arbeitet massiv mit Düften und hat ihren eigenen Duft. In Umfragen erkannten Jugendliche unabhängig von Schnitt, Farbe oder Stoff die Jeans der Firma, weil sie den Geruch erkannten.

Stellt sich die Frage, ob es erlaubt sein kann, Düfte entsprechend einzusetzen. Schließlich sind wir in gewissen Stimmungen durchaus bereit, mehr in unseren Einkaufswagen zu legen als wir einfach wollten.

Warum sollte es nicht möglich sein, durch angenehme Düfte ein schöneres Einkauferlebnis zu generieren. Schließlich wird auch mit Farben, Musik und allem anderen der Kunde in angenehme Stimmung versetzt. Dennoch sollte dies kommuniziert werden – gerade dann, wenn die Düfte kaum bewusst riechbar, aber dennoch wahrnehmbar sind. Ich würde mich freuen, wenn ich künftig an der Tiernahrungsabteilung vorbeigehen könnte, ohne diesen für mich unangenehmen Geruch in die Nase zu bekommen. Bleibt zu hoffen, dass der Wellensittich dann nicht auf das Hundefutter abfährt, bloß weil es so gut riecht!