Nervenzellen und Facebook

Inzwischen ist wohl vielen bekannt, dass unser Gehirn aus bis zu 100 Mrd. Nervenzellen, den Neuronen, besteht. Das sind in etwa so viele Neuronen, wie die Milchstraße Sterne hat – falls sich das jemand besser vorstellen kann. Ich jedenfalls nicht. Ich weiß nur: Es sind unglaublich viele.

Weiterhin ist bekannt, dass diese Nervenzellen ein großes Geflecht, ein Netz, bilden. Die Verbindungen der Nervenzellen, die Synapsen, sind mehrere tausend (!) pro Zelle. Auch das eine unglaublich große Zahl.

In der Fachzeitschrift „Nature“ wurde eine Studie veröffentlicht, die untersucht, wie sich die Nervenzellen untereinander verbinden. Das, was sie herausgefunden haben, klingt verblüffend menschlich: Nervenzellen bilden ein Netzwerk, wie wir das mit unseren Freunden und Bekannten tun. Die Forscher bringen den Vergleich mit Facebook, sehr einleuchtend.

Wenn ich bei Facebook viele Freunaypongnde habe, sind trotzdem nur einige wenige für mich wichtig. Die große Menge ist zwar zahlenmäßig übermächtig, hat aber für mich de facto keine große Bedeutung. So geht es auch unserern Nervenzellen: Sie sind mit den Neuronen „befreundet“, also verbunden, mit denen sie gleiche Interessen teilen. Neuronen, die anders agieren, haben miteinander nur ganz schwache oder gar keine Verbindungen.

Die Frage, die die Forscher jetzt brennend interessiert, ist: Warum gibt es dann überhaupt so viele schwache Neuronen? Die Vermutung ist die, dass diese sozusagen „Gewehr bei Fuß“ stehen, um im Falle einer Verhaltensänderung, also wenn wir etwas neu lernen, zu starken Neuronen ausgebaut werden können. So, vermutet man, bleibt die schnelle Plastizität des Gehirns gewährleistet.

Es ist immer wieder spannend, was in unserem Oberstübchen so passiert!

Quelle:

Originalartikel: Lee Cossell, Maria Florencia Iacaruso, Dylan R. Muir, Rachael Houlton, Elie N. Sader, Ho Ko, Sonja B. Hofer, Thomas D. Mrsic-Flogel
Functional organization of excitatory synaptic strength in primary visual cortex
Nature, published online 4 February 2015, doi: 10.1038/nature14182

Weitere Auskünfte: Prof. Dr. Thomas D. Mrsic-Flogel, Universität Basel, Departement Biozentrum.

Image courtesy of Naypong at FreeDigitalPhotos.net