Lesen gefährdet die Dummheit – Die Gedächtnistrainerin

Sprachzentrum, Sehzentrum, motorisches Zentrum… doch wo bleibt das Lesezentrum? Auffällig ist, dass das im Zusammenhang mit dem Gehirn nie genannt wird. Und das, wo wir doch ständig lesen – ob online oder offline, Tablet oder Buch. Kein Wunder, denn es gibt schlicht und ergreifend kein Lesezentrum im Gehirn.

Da das Lesen ein verhältnismäßig junges Kulturgut ist, konnte sich das Gehirn noch nicht an diese Herausforderung anpassen. Doch wieder einmal beweist es seine faszinierende Plastizität, also Umformbarkeit: Damit wir lesen können, bedient sich das Gehirn Strukturen, die tief ins Gehirn hineinreichen, bis zum Thalamus und dem evolutionär sehr alten Hirnstamm.

„Hirnareale, die eigentlich von der Evolution für die Erkennung komplexer Objekte wie Gesichter konzipiert waren, werden nun durch die Fähigkeit besetzt, Buchstaben in Sprache zu übertragen. Dadurch entwickeln sich einige Regionen unseres visuellen Systems zu Schnittstellen zwischen unserem Seh- und Sprachsystem.“ (Zitat MPI) So können wir dank des Thalamus, des „Tor zum Bewusstseins“ und der Hirnstammkerne wichtige visuelle Reize aus der Menge herausfiltern, bevor wir überhaupt etwas wahrnehmen.

Die Lesebrille

Das Ganze wurde vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig bei einer Studie an Inderinnen, alle zwischen 24 und 40 Jahre alt und Analphabetinnen, untersucht. Diesen Frauen wurde in 6 Monaten das Lesen von Hindi, der Landessprache Indiens, beigebracht. Mit begleitenden Hirnscans wurde beobachtet, was sich im Gehirn der Lernenden tat.

Wie immer, gibt’s auch hier den Link für alle, die ins Detail gehen wollen.