Lernen und Bewegung – eine gute Kombination Newsletter V/2012

 

„Ja, genau! Meine Rede!“ So habe ich reagiert, als ich die aktuelle Ausgabe von Gehirn&Geist in Händen hielt. Das ist eine meiner Lieblingsfachzeitschriften zum Thema „Gehirn“. Eines der Schwerpunktthemen des Heftes ist das Thema Lernen – um es genauer zu sagen: Lernen mit Bewegung! Ich habe mich auch darüber gefreut, dass ich die Journalistin des Artikels über Vokabeln und Bewegung, Manuela Macedonia, schon zweimal live erleben durfte und mit ihr im persönlichen Gespräch einige Dinge rund ums Gehirn klären konnte. Jetzt habe ich ihren Vortrag sogar schriftlich.

In vielen Vorträgen gehe ich ziemlich ausführlich auf das Thema „Lerntypen“ ein. Ich beziehe mich dabei auf die drei verschiedenen Lerntypen, die definiert sind: den visuellen, der sehr gut über die Augen lernt; den auditiven Lerntyp, dessen aufnahmefähigster Kanal die Ohren sind und den Kinästheten/Haptiker, dem man gemeinhin nachsagt, dass er Dinge im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen, also anfassen muss, um gut lernen zu können.

Dieses Begreifen ist schön und gut, wenn es um die Vokabel für das Wort „Apfel“ geht. Da kann ich als Lehrende einen Apfel mitbringen und alle anfassen lassen.  Doch was mache ich mit komplizierter Grammatik? Mit schwierigen Gedankengängen, die ich in Biologie, Mathematik oder Philosophie lernen möchte? Voraussetzung zum Memorieren ist dabei, dass der Inhalt größtenteils verstanden wurde. Wenn das der Fall ist, ist es in vielen Fällen günstig, mit Bewegung zu lernen.

Vor allem den Kinästheten (aus dem griechischen: kinein – bewegen) hilft es neben dem Be-greifen auch, sich zu Vokabeln/Grammatik/Lehrsätzen zu bewegen. Doch auch Menschen mit anderen Lerntypen haben einen kinästhetischen Kanal. Versuchen Sie, etwas Bewegung in Ihr lernen zu bringen!

Wenn Sie einen inneren Zwang fühlen, sich beim Lernen oder Lesen zu bewegen. Wenn Sie früher oft ermahnt wurden, das „Herumrutschen“ oder „Zappeln“ sein zu lassen, dann liefere ich Ihnen heute wissenschaftlich fundiert ein wunderbares Argument, weiterhin herumrutschen oder zappeln zu dürfen, um sich besser konzentrieren zu können: Sinneserfahrungen und Bewegungen sind untrennbar miteinander verbunden. Wir nutzen automatisch beispielsweise den Raum, in dem wir uns bewegen,  als Gerüst, um uns abstrakte Dinge vorzustellen. Die Zukunft liegt also vor uns, die Vergangenheit hinter uns. Glück verbinden wir mit „oben“ (auf Wolke 7 schweben), wenn wir traurig sind, sind wir „down“, also unten. Wir benutzen unseren Körper als Hilfsmittel zum Denken.

Es geht sogar noch weiter: wir können nichts einfach nur wahrnehmen, ohne dass in unserem Gehirn gleich eine ganze Latte an Prozessen abläuft. Wir sehen z.B. einen Ball und unser Gehirn setzt den prämotorischen Kortex in Bewegung, der Bewegungen steuert und vorbereitet. Auch wenn wir den Ball nur als Abbildung sehen. Wir können wahrnehmen, nachdenken und handeln nicht klar voneinander trennen. Das sollten wir beim Lernen ausnutzen. Untermauern Sie Lernstoff mit Bewegung und verstärken Sie den Lernprozess. Davon profitieren nicht nur kinästhetische Lerntypen. Wir haben alle diese Intelligenz in uns. Schade, wenn wir sie nicht ausnützen.

Lassen Sie sich oder Ihrem Kind bei der nächsten Lernrunde Ihren Bewegungsdrang – und sei es, dass Sie sich den Lernstoff von Ihrem Kind rezitieren lassen, während es seine Runden im Kinderzimmer dreht. Probieren Sie es aus. Es ist nicht für jeden geeignet, aber wer Bewegung beim Lernen als angenehm empfindet, hat extrem viel davon. Zudem entspannt es die Situation, wenn Sie Ihr Kind nicht ständig ermahnen müssen. 😉 Noch effektiver ist es, wenn Sie z.B. Vokabeln mit sinnvollen Gesten untermauern. So zum Beispiel das Wort „Treppe“ mit einer Geste die ein Herunter- oder Herauflaufen simuliert.

Gehen Sie joggen/spazieren und nehmen dabei Ihr auf mp3-Player gesprochenes Lernpensum mit. Oder die Fachzeitschrift als Audio-Download. Steigen Sie auf’s Trampolin und hüpfen die Fakten in das Gerät. Und so weiter.

Wenn Sie mit Bewegung trainieren, kommen mehr Areale und Gehirnstrukturen zum Einsatz als wenn Sie „nur“ visuell oder auditiv lernen. Es werden dann auch die mit motorischen Aufgaben versehenen Gehirnregionen aktiviert, nicht nur die Sprachregionen. Das Gelernte wird stärker vernetzt, wir können es uns besser merken. Das Beste daran ist, dass Lernen auf diese Art Spaß macht. Probieren Sie es aus!                                                   (Quelle: Gehirn&Geist Nr. 1-2/2013)

Bleibt mir noch, Sie auf einige spannende Veranstaltungen aufmerksam zu machen und Ihnen geruhsame Feiertage und viel Glück, Zufriedenheit und ein fittes Gehirn für 2013 zu wünschen!

Ich freue mich auf viele Begegnungen im neuen Jahr mit Ihnen.

Ihre Julia Hayn