Leitfaden für den Umgang mit Auszubildenden – nicht nur für Ausbilder – Die Gedächtnistrainerin

06. Dezember – Nikolaustag!

Anlass dieses Blogthemas ist mein Erlebnis neulich in einer Bank: Ich musste meine Unterschrift in einem sog. „Post-Ident-Verfahren“ bestätigen lassen. Als Nachweis für ein anderes Unternehmen, mit dem ich in Geschäftsbeziehung stehe, dass ich existiere und die bin, die ich vorgebe zu sein.

Es kam eine Angestellte an den Schalter, einen Azubi im Schlepptau. Sie füllte das Formular wortlos aus, er sah zu und ging nach kurzer Zeit zum Nachbarschalter. Sinn des Ganzen: null. Lerneffekt: null. Motivation des Azubis: stark fallend.

Wie es besser gegangen wäre, lesen Sie hier:

  1. Bevor Sie einem Azubi eine konkrete Aufgabe zeigen, erklären Sie ihm kurz, warum und wozu diese Aufgabe getan werden muss. Das Gehirn braucht Struktur, um zu wissen, wo es Fakten abspeichern soll.
    Im obigen Beispiel zwei Sätze dazu, warum eine Kundin ihre Unterschrift bestätigen lässt und wozu man so etwas braucht. Hätte ca. 15 Sekunden gekostet, die ich als Kundin gerne gewartet hätte.
  1. Lassen Sie den Azubi selber tun! Dazu kursieren schöne einprägsame Zahlen, die zumindest ansatzweise so bestätigt werden können: Die Wahrscheinlichkeit des Behaltens und Verstehens liegt durchSelbstmachen bei                           90%
    Nacherzählen/Erklären bei         70%
    Hören und Sehen bei                    50%
    Sehen bei                                         30% und
    Hören bei                                        20%.Klar kostet es mehr Zeit, den Azubi schreiben zu lassen und ihm zu erklären, was er wo auszufüllen hat. Doch wenn Sie diese Zeit einmal investieren, kann es der Azubi beim nächsten oder übernächsten Mal selber machen und Sie haben sehr viel mehr Zeit gewonnen als wenn Sie es immer wieder selbst machen müssten.
  1. Geben Sie dem Azubi eine Hausaufgabe: Lassen Sie sich mit ein paar Tagen Abstand den ganzen Vorgang nochmal erklären und zeigen, wie das Formular ausgefüllt wird. Dadurch wird der Stoff noch einmal wiederholt und bleibt besser im Gedächtnis des Azubis.
  2. Berichtsheft? Olle Kamelle? Uninteressant? Mitnichten! Gehirntechnisch gesehen ist es ein geniales Tool: Kontrollieren Sie das Heft regelmäßig in kurzen Abständen (wöchentlich). Wenn die Azubis kurz zusammenfassen, was sie getan haben, haben sie damit nicht nur den Ausbildungsvorschriften Genüge sondern auch ihrem Gehirn einen großen Gefallen getan, nämlich den der Wiederholung des Gelernten.
  3. Für richtig großen Lerneffekt schlage ich folgendes vor: Lassen Sie sich als Ausbilder von Ihren Auszubildenden bei regelmäßigen Besprechungen kurz berichten, was diese in der letzten Woche Neues erfahren haben bzw. bei welchen Themen sie weiter gekommen sind.

Der Nutzen dieser Tipps steht in keinem Verhältnis zum Aufwand: Sie investieren am Anfang etwas mehr Zeit in die Ausbildung, die Sie später um ein Vielfaches wieder einsparen. Die Auszubildenden

  • fühlen sich ernst genommen, weil sich jemand Zeit für sie nimmt (schon 5 Minuten machen da den großen Unterschied).
  • werden sicherer, weil sie wissen, dass sie nicht alles wissen müssen und Fragen stellen dürfen.
  • sind motivierter, weil sie merken, dass sie ernst genommen werden.
  • können schneller Arbeiten selbständig erledigen, weil sie die Vorgänge schnell und sicher erfassen.
  • Sind motivierter, weil sie sich die Abläufe schnell und gut einprägen.