Leistungsfähiger beim Lernen durch eigene Entscheidungen NL II 2015

Ende letzten Jahres ist im Journal of Applied Cognitive Psychology eine interessante Studie von Prof. Ulrich Weger der Uni Witten/Herdecke erschienen.

Er wies nach, dass Testpersonen, die eine Entscheidung selbst treffen durften, am Ende leistungsfähiger waren und bessere Ergebnisse erzielten als die Probanden, denen die Entscheidung abgenommen wurden.

In der Studie ging es um drei angeblich besonders leistungssteigernd wirkende Medikamente, die den Probanden angeboten wurden. Diejenigen, die sich selbst für eines dieser Mittel entschieden hatten, schnitten in den anschließenden Gedächtnistests, bei denen es um das Erinnern von Wörtern ging, tatsächlich besser ab.

„Studienleiter Prof. Weger: ‚Wir selbst wissen in vielen Fällen am besten, was gut für uns ist. Als Arzt, Therapeut oder Pädagoge sollten wir dieses Wissen nutzen, wenn sich in dem entsprechenden Zusammenhang die Möglichkeit bietet. Es macht sicher keinen Sinn, zu fragen, ob man bei einer Herzoperation eine Narkose wünscht. Aber in vielen anderen Bereichen sind da ungeahnte Schätze zu heben und in den Genesungs- oder Lernprozess mit einzubeziehen.‘ (Quelle: Uni Witten-Herdecke)

Erinnern wir uns daran, wenn wir das nächste Mal unseren Kindern, SchülerInnen oder Auszubildenden vorschreiben wollen, wie diese zu lernen haben. Gerade beim Lernen wissen wir individuell und intuitiv oft am besten, was uns gut tut. Dabei erscheinen die Lernangewohnheiten der anderen oft kontraproduktiv zu unseren eigenen Erfahrungen – doch wenn wir mit Musik nicht lernen können, weil uns das ablenkt, heißt das noch lange nicht, dass das gleich auch für die Schülerinnen und Schüler oder Auszubildenden gilt.

Geben Sie Tipps, wie Lernen möglich ist.

Sprechen Sie über die verschiedenen Lerntypen:

  • Die Visuellen lernen besser, wenn sie Sachen sehen oder lesen. Sie benötigen bunte Farben und Bilder, um sich Sachverhalte gut aneignen zu können.
  • Die auditiv veranlagten hören lieber den auf das Handy aufgesprochenen Text. Das können im übrigen auch SchülerInnen oder Azubis sein, die im Schulunterricht wenig mitschreiben, manchmal abwesend vor sich hin schauen und trotzdem viel mitbekommen.
  • Die sogenannten Kinästheten (oder Haptiker oder Taktile) wollen sich unbedingt beim Lernen bewegen. Das kann sich auch im „Herumzappeln beim Lernen“ äußern. Geben Sie diesem Drang nach. Statt auf dem Stuhl zu kippeln bietet sich hier vielleicht das Herumwandern im Zimmer – oder, je nach Möglichkeit, draußen in der Natur an.
  • Oder auch von jedem ein bisschen Lassen Sie das Ihre Schützlinge selbst ausprobieren und seien Sie überrascht, wie gut jeder selbst entscheiden kann.

Natürlich sind auch hier gewissen Grenzen zu beachten. Niemand kann nach einer durchwachten Nacht mit drei Stunden Schlaf gut lernen. Denken Sie an Pausen. Drei Stunden am Stück kann sich kaum jemand wirklich konzentrieren. Achten Sie auf kürzere Lerneinheiten mit kurzen Pausen dazwischen. Vielleicht lässt sich auch über die Musiklautstärke verhandeln – doch bevor Sie Vorschriften machen oder Verbote aussprechen, lassen Sie sich auf einen Versuch ein. Manchmal kommt am Ende viel mehr dabei heraus, als man vorher denkt. Und der häusliche bzw. betriebliche Friede ist auch gewahrt.

Herzliche Grüße,

Ihre Julia Hayn

Die Studie ist im Journal of Applied Cognitive Psychology erschienen.