Ein Glück kommt selten allein und vielleicht kommt es gar nicht von allein – Die Gedächtnistrainerin

Heute, zum Valentinstag (und Aschermittwoch) ein neurolastiger Text zum Thema „Glück“. Wie „passiert“ Glück in unserem Gehirn? Unter allen Gefühlen, die wir kennen, ist Glück mit Abstand die Nummer eins. Aber unsere Glücksge­fühle sind unberechenbar. Kaum hat uns das Glück gefunden, ist es auch schon wieder weg. Die Folge ist, dass wir Menschen in gewisser Weise immer auf der Suche nach dem Glück sind und es doch nie dauerhaft erreichen.

Was ist Glück?

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben sich Men­schen schon immer die Frage gestellt: „Was ist Glück?“ Früher waren es die Philosophen, die eine Antwort auf diese Frage suchten. Später waren es dann die Psy­chologen und Soziologen. Und heute sind es die Gehirnforscher, die mit den modernen Methoden der Medizin und der Technik dem Glück auf die Spur kommen wollen.

Obwohl alle ganz unterschiedliche Wege und Ansätze verfolgen, kann man aber bereits jetzt schon sagen, dass es vor allem drei Erkenntnisse der Glücksfor­schung gibt, bei denen sich alle Experten weitestge­hend einig sind:

  1. Die Lebensbedingungen eines Menschen sind nicht maßgeblich dafür verantwortlich, ob er glücklich ist oder nicht.
  2. Auch Faktoren wie Wohlstand, Macht, Status, Alter oder Intelligenz tragen nur zu einem be­stimmten Teil zum Glück bei.
  3. Auch wenn Glück für jeden Menschen etwas ande­res bedeutet, so ist unser Glücklichsein hauptsächlich geprägt durch unsere Denkweise und durch unsere Wahrnehmung.

Um dem Glück auf die Spur zu kommen, experimen­tieren Wissenschaftler mit euphorischen Ratten, un­tersuchen die Gehirne von Liebespaaren im Hirn­scanner oder führen Studien an Probanden wäh­rend eines Computerspiels durch. Auch wenn noch lange nicht alle Details bekannt sind, wissen wir in­zwischen doch schon sehr viel darüber, wie und wo Glück in unserem Gehirn entsteht, welche Areale unseres Gehirns daran beteiligt sind und welche biochemi­schen Prozesse dabei ablaufen.

Die Forschungsergebnisse sind beeindruckend, denn es gibt in unserem Gehirn eine Art Glücksmechanis­mus, der bereits anspringt, wenn wir uns auf ein mög­liches Glück zubewegen und die damit verbundene Vorfreude empfinden. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse gelingt es uns aber nicht nur, den Entstehungsort des Glücks zu definieren. Viel wichtiger ist, dass uns diese Erkenntnisse erstaunliche Antworten auf eine der wohl wichtigsten Fragen liefern: Was können wir tun, um ein glücklicheres Leben zu führen?

Mindestens sieben Hirnareale sind an der Glücks­produktion beteiligt

Wie man inzwischen weiß, sind es mindestens sieben Areale unseres Gehirns, die an der „Glücksproduk­tion“ beteiligt sind.

  1. Im Zentrum steht hierbei das so genannte VTA, das ventrale tegmentale Areal unseres Gehirns. In diesem Areal beginnt und endet der Kreislauf der „Glücksproduktion“.
  2. Die Amygdala, auch Mandelkern genannt, ist Bestandteil des limbischen Systems. Hier werden alle eingehenden Signale emotional bewertet. Hier entscheidet es sich, ob ein eingehendes Sig­nal als angenehm oder unangenehm, als positiv oder negativ oder als gut oder schlecht bewertet wird.
  3. Der Nucleus accumbens ist ein wichtiger Be­standteil des Belohnungssystems im Gehirn. Er spielt u.a. eine große Rolle bei emotionalen Lern­prozessen und ist maßgeblich an dem Grad unse­rer Motivation beteiligt.
  4. Der orbitale Cortex. Dieses Areal ist eine Hirnwin­dung, die direkt über unserem linken Auge liegt. Hier werden emotionale und motivationsbe­zogene Signale mit unserem gespeicherten Wissen und unseren gespeicherten Erfahrungen beurteilt und bewertet.
  5. Im anterior cingulären Cortex finden u.a. Pro­zesse statt, die im Hinblick auf Entscheidungen, Sozialverhalten und Lernprozesse eine große Rolle spielen.
  6. Der Hypothalamus wandelt Botenstoffe, also Neurotransmitter in Neurohormone um und regelt deren Ausschüttung über die Hypophyse, also über die Hirnanhangdrüse, mit der er in direkter Verbindung steht.
  7. Die Hypophyse liegt bereits außerhalb unseres Gehirns und hat direkten Zugang zu unserem Blutkreislaufsystem. Über den Blutkreislauf kön­nen nun die Neurohormone zu den zuständigen Organen transportiert werden.

Es sind mindestens diese sieben Areale, die eng mit­einander verbunden und in einem sehr komplexen Wechselspiel untereinander für die Erzeugung des schönsten Gefühls der Welt, das Glück, zuständig sind.

Quelle: AFNB

Unser Gehirn verändert sich ständig und es lässt sich trainieren wie Muskeln

Eine der wohl wichtigsten Erkenntnisse der Neuro­wissenschaften ist die, dass sich unser Gehirn ständig verändert. Bei allem, was wir tun und/oder denken, verändert sich unser Gehirn. Und eine weitere sehr wichtige Erkenntnis der Ge­hirnforschung ist, dass wir unser Gehirn trainieren können. Wir können es trainie­ren wie einen Muskel.

Wenn sich also unser Gehirn ständig verändert und wir unser Gehirn wie Muskeln trainieren können, dann stellen sich folgende Fragen:

  1. Können wir Glück trainieren?
  2. Können wir unser Gehirn so verändern, dass wir dauerhaft und für immer glücklich sind?

Die Frage, ob wir Glück trainieren können, kann man uneingeschränkt mit „Ja“ beantworten. Die Frage, ob wir unser Gehirn so verändern können, dass wir dau­erhaft und für immer glücklich sind, muss allerdings mit „Nein“ beantwortet werden. Auch wenn wir dies auf den ersten Blick schade fin­den, so sollten wir dennoch froh darüber sein, dass dies so ist. Wäre es nämlich nicht so und könnten wir dauerhaft glücklich sein, würden wir vor lauter Glück sterben, wie uns viele Studien beweisen.

Warum wir an Glück sterben könnten

Es war in den 1950er Jahren, als Prof. James Olds mit Hilfe von Experimenten an Ratten eine Kartierung des Gehirns erstellen wollte. Um eine solche „Gehirn-Landkarte“ zu erstellen, hatte er den Ratten an ver­schiedenen Stellen des Gehirns Elektroden einge­setzt. Dabei machte er eine sehr interessante Beobachtung: Immer dann, wenn er bei den Ratten eine bestimmte Stelle des Hypothalamus reizte, kehrten die Ratten an den Platz zurück, wo sie diesen Reiz zum ersten Mal verspürten. Es hatte den An­schein, als ob die Ratten diesen Platz in der so ge­nannten Scinner-Box mit einem besonderen Wohlge­fühl verbunden hätten.

Um seine Vermutung zu bestätigen, ging Olds einen Schritt weiter. Er implantierte den Ratten Reizelektro­den am Hypothalamus und brachte den Ratten bei, einen Hebel zu drücken, wodurch sie selbst die Stromzufuhr und somit den Reiz im Gehirn regeln konnten. Das Ergebnis war erstaunlich: Die Ratten drückten unermüdlich und mit großer Leidenschaft immer wie­der und wieder den Hebel. Solange, bis sie vor Er­schöpfung zusammenbrachen.

Die „Pleasure Centers of the Brain“, also die “Lust­zentren des Gehirns” waren entdeckt.

Hätte man das Experiment mit den gleichen Ratten dauerhaft fortgeführt, wären die Ratten früher oder später im wahrsten Sinne des Wortes vor lauter Glück gestorben.

Glück ist zum Teil genetisch veranlagt

Wie uns inzwischen die Gehirnforschung belegen kann, gibt es auch eine gewisse genetische Veranla­gung dafür, ob jemand mehr zu einer glücklichen und optimistischen oder mehr zu einer unglücklichen und pessimistischen Persönlichkeit neigt.

Der Grund hierfür ist, dass die Aktivität bestimmter Gehirnareale unsere allgemeine Stimmung beein­flusst. Menschen, bei denen die Aktivitäten im linken Stirnlappen höher als im rechten Stirnlappen sind, empfinden häufiger angenehme Gefühle. Menschen, bei denen die Aktivität im rechten Stirnlappen über­wiegt, empfinden häufiger unangenehme Gefühle. Die gute Nachricht für alle „rechten Stirnlappenakti­visten“ ist jedoch, dass wir die Aktivitätsmuster des Gehirns beeinflussen und durch Trainings verändern können.

Genießen Sie Ihr wie immer geartetes Glück – und freuen Sie sich, dass sich die Phasen des Glücks mit denen des „normalen“ Empfindens abwechseln. Und damit wünsche ich Ihnen einen schönen Valentinstagabend und einen guten Start in die Fastenzeit!

Ihre Julia Kunz