5 wichtige Fakten, wie Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer bekommen – Die Gedächtnistrainerin

PowerPointBashing ist in diesen Tagen modern. Viele Präsentationstrainer, die etwas auf sich geben hauen mit drauf – auf die Präsentationsmethode, die durchaus ihre Vorzüge hat.

Ob PowerPoint, Flipchart oder andere Visualisierungsmedien: Jedes hat seine Vor- und Nachteile. Doch den eigentlichen Punkt, nämlich wie Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer bekommen, können Sie mit jeder Methode knacken. Vorausgesetzt, Sie wissen über diese 5 Fakten Bescheid, die beschreiben, was im Gehirn Ihrer Zuhörer vorgeht.

Kurz vorneweg: Aufmerksamkeit geschieht im Kurzzeitgedächtnis. Wenn wir es schaffen, das Kurzzeitgedächtnis positiv zu beeinflussen, hören uns die Zuhörer zu und unsere Präsentation bleibt im Gedächtnis. Egal, ob sie auf Slides oder auf Papier daherkommt.

Die Aufmerksamkeit ist

  1. limitiert
    • Wir können nur 7 +/-2 Sinneseinheiten aufnehmen. Wenn Sie Ihrem Publikum die Zahlen 2512800 bieten, sind das 7 einzelne Ziffern, also 7 Sinneseinheiten. Das Kurzzeitgedächtnis ist voll.
      Also: Achten Sie auf eine sinnvolle Verknüpfung Ihrer Inhalte, so dass die Sinneseinheiten größere Abschnitte ergeben. In diesem Fall als Datum: 25.12.800 (übrigens die Krönung Karls des Großen zum Kaiser).
    • Weniger ist mehr: Ihre Zuhörer werden sich an mehr Slides erinnern, wenn nur wenige gezeigt werden. Bei einer zu großen Menge, präsentiert in einer zu engen Taktung, bleiben am Ende tatsächlich weniger in Erinnerung – und zwar in absoluten, nicht in relativen Zahlen.
      Also: Weniger Slides, weniger Fakten, weniger Farben, weniger Inhalt!
  2. anstrengend
    • Unser Gehirn ist ein Energiefresser. Im Ruhezustand verbraucht es ca. 20% der gesamten Energie, die wir unserem Körper zuführen. Im konzentrierten Zustand – der Zustand, den Sie sich von den Gehirnen Ihrer Zuhörer wünschen – können das auch 60 oder 80% sein. Das heißt, dass unser Gehirn schnell wieder abschaltet.
      Also: kurze Einheiten, immer wieder kurze Pausen und Wiederholungen einbauen. Pausen können ein Video zur Untermalung des Ganzen sein (geht natürlich auf dem Flipchart schlecht) oder etwas aus dem Bereich Storytelling oder oder oder.
    • Unser Gehirn hört am liebsten Dinge, die uns selbst betreffen. Da bleibt es länger am Ball.
      Also: Stimmen Sie Ihre Beispiele genau auf Ihre Zielgruppe ab. Das macht im Vorfeld mehr Arbeit, bringt aber ein deutlich besseres Ergebnis – und das Seminar macht auch Ihnen mehr Spaß, weil Sie eine sehr positive Rückkoppelung bekommen werden.
  3. durch Hippocampus und Amygdala gesteuert
    • Die Amygdala bewertet das, was wir hören, emotional. Und flüstert ihre Bewertung dem Hippocampus ein. Der Hippocampus sortiert die Gedächtnisinhalte, d.h. er sorgt auch dafür, dass langweilige und unwichtige Fakten gar nicht erst ins Arbeitsgedächtnis kommen. Dann können sie auch nicht weiterverarbeitet respektive gemerkt werden.
      Also: Reichern Sie Fakten emotional an. Das geht immer. Auch bei Bilanzen, Zahlen voller Tabellen oder kompliziertem technischem Inhalt. Zeigen Sie einen Zusammenhang zu den Zuhörern auf, machen Sie Vergleiche („Wenn wir diese Technik in einen normalen Vergasermotor einbauen könnten, hätten wir eine saubere Luft, kaum mehr Umweltprobleme und würden dem Staat Milliarden an Verkehrsfolgekosten ersparen.“) und zeigen Sie Bilder oder Fotos. Selbst eine Tabelle, die farbig aufbereitet ist, ist in geringem Maße emotionsfördernd und spricht die Amygdala an.
  4. voller Emotionen
    • An der Erzeugung von Aufmerksamkeit sind über die Beteiligung des limbischen Systems viele emotionale Prozesse beteiligt. Der Informationsfluss zum Arbeitsgedächtnis ist stark reduziert, es sei denn, emotionale Komponenten öffnen die Schleuse zum Gedächtnis. Nutzen Sie diesen Mechanismus für sich aus.
      Also: Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre, trauen Sie sich zu lächeln, schauen Sie die Menschen vor sich an, stehen Sie gerade. Minimalisten, die der Meinung sind, Zahlen, Fakten und Daten würden schon für sich allein sprechen, irren sehr. Slides dürfen dekorativ aussehen. Aber nicht überladen, denn sonst treten die erschreckend effizienten Selektionsmechanismen in Aktion, siehe oben.
    • Wenn Sie die Möglichkeit haben sollten, auf die Ausgestaltung des Raumes Einfluss zu nehmen, sollten Sie dies tun. Die positive Wirkung eines modernen, hellen Raumes wird immer wieder unterschätzt. Die negative Wirkung unprofessioneller Unterlagen und fast leerer Flipchartstifte allerdings ebenfalls.
  5. beeinflusst durch die circadiane Rhythmik
    • Der Schlaf-Wach-Rhythmus, die Körpertemperatur, der Blutdruck, die Herzfrequenz, die Konzentration bestimmter Hormone im Blut (wie Melatonin, Insulin, Cortisol und Wachstumshormone), der Leberstoffwechsel, die Nierenfunktion, Verdauungsprozesse, ja sogar die Aktivität bestimmter Gene unterliegen einem Tag-Nacht-Rhythmus. Diese „circadiane Rhythmik“ wird durch die Lichtmenge gesteuert. Für die Vortragspraxis ergibt sich aus dieser Erkenntnis folgendes: Fehlendes Licht macht müde, auch das Gehirn.
      Also: Sorgen Sie dafür, dass der Raum, in dem Ihr Vortrag stattfinden soll, ausreichend beleuchtet ist. Wenn der Raum für eine Präsentation abgedunkelt werden muss, schalten Sie möglichst sofort nach Beendigung Ihres Vortrags das Licht wieder ein.
      Die Vormittagsstunden und der frühe Nachmittag eignen sich als Kompromiss für die Frühaufsteher und die Nachteulen am besten, wenn die Aufmerksamkeit und die geistigen Fähigkeiten Ihrer Zuhörer besonders gefordert werden.