5 schlechte Argumente gegen Netzwerken

Netzwerke sind mir wichtig. Ich bin eine bekennende und begeisterte Netzwerkerin. Oft werde ich gefragt: „Bringt Dir Netzwerk XY was?“ oder man sagt mir: „Das ist mir zu viel Zeitaufwand. Ich muss Geld verdienen.“ Um gleich die Antwort auf die Frage vorwegzunehmen: Ja, Netzwerk XY bringt mir was. Und zu Bemerkung zwei: Ich muss auch Geld verdienen, aber ohne Netzwerken könnte ich das nicht.

Es gibt für mich kein Argument gegen Netzwerken. Nur Ausflüchte oder nicht passende Netzwerke.

5 Dinge, die ich oft höre und meine Gegenargumente dazu:

  • „Ich war jetzt ein Jahr lang in diesem Netzwerk und habe keinen einzigen Auftrag erhalten.“
    • Ha, meine Lieblingsaussage! Denn wer so ans Netzwerken rangeht, hat es nicht verstanden. Betreffende Person war ein Jahr im selben Netzwerk wie ich – als Karteileiche. Sie kam zu einem Treffen (angeboten waren bis zu zwei Treffen im Monat) und war ansonsten abgetaucht. Ich wusste nicht, was sie genau macht und wer sie ist. Ich hätte sie gar nicht weiter empfehlen können, selbst, wenn sich die Gelegenheit gegeben hätte.
    • Fazit: Netzwerken heißt, sich bekannt machen. Zeigen, wer man ist und was man kann.
  • „Netzwerke brauche ich nicht. Ich mach das lieber auf die bewährte Art.“
    • Was auch immer hinter „bewährte Art“ steckt – eine bewährtere Art als Netzwerken kenne ich nicht. Die Menschen machen das schon immer so (das ist nur manchmal ein gutes Argument für etwas) und mit Erfolg. Es ist immer das gleiche Schema: Nur die Menschen oder Unternehmen, die ich kenne, kommen mir in den Sinn, wenn mich jemand um eine Empfehlung bittet. Das geht vom neuen Zahnarzt, den mein Bekannter braucht, bis zum Webdesigner oder Büroausstatter.
    • Preisfrage: Was, glauben Sie, ist die am besten funktionierende Methode, um Kunden zu gewinnen? Ja, genau: Empfehlungen. Bis zu 80% der Neukundengewinnung läuft über Mundpropaganda.
  • „Netzwerken ist nicht so meins. Da stehe ich bloß rum und weiß nicht, was ich sagen soll.“
    • Sie gehören zur introvertierten Sorte Mensch? Herzlichen Glückwunsch! Hätten wir nur extrovertierte Leute (zu denen ich mich auch zähle), wäre die Welt ganz schön anstrengend. Dass Sie nicht gerne zu Treffen gehen, bei denen Sie kaum jemand kennen und keine Lust zu Smalltalk haben, ist nachvollziehbar. Haben Sie Netzwerken schon über social-media-Kanäle probiert? Das wird Ihnen leichter fallen. Oder Sie holen sich jemand Extrovertiertes und gehen eben nicht alleine zu Events. Zudem ist Zuhören Ihre Stärke – tun Sie das, auch darum geht es beim Netzwerken.
  • „Ach, das ist ja Vitamin B und Seilschaften.“
    • Schade, dass Netzwerken bei manchen Menschen noch so in Verruf ist. Sicher gibt es überall noch die „Seilschaften“, worunter die meisten Menschen Kungelei, Postengeschachere und geschlossene Gesellschaften verstehen. Doch für mich ist es ein unglaublicher Vorteil, wenn ich weiß, dass sich Empfehlungsgeber und Empfohlener kennen: Empfiehlt mir ein Netzwerkkontakt jemand anderen, dann weiß ich, dass hinter dieser Empfehlung eine positive Erfahrung steckt. Außerdem wüsste ich gar nicht, für wen ich mich entscheiden sollte, wenn ich nach Graphikern oder Elektrikern googeln würde.
      Viele große Unternehmen sehen das auch als Vorteil: Wenn Sie als BewerberIn sagen können, wer Sie innerhalb des Unternehmens weiterempfiehlt, haben Sie einen großen Pluspunkt. Denn die Unternehmen kennen den Empfehlungsgeber, haben mit ihm positive Erfahrungen und können sich darauf verlassen, dass ihnen niemand  empfohlen wird, der überhaupt nicht ins Unternehmen passt.

Sollten Sie sich zu den Ungeduldigen der Sorte Mensch zählen, wird es mit dem Netzwerken allerdings schwierig: Kontakte knüpfen bedeutet, Vertrauen aufbauen – und das braucht Zeit. Für kurzfristige Marketingmaßnahmen ist es nicht geeignet, mal eben in ein oder zwei Netzwerke eintreten und abräumen zu wollen. Das erste Jahr (!) ist Geben angesagt. Schauen Sie sich um, lernen Sie die anderen Menschen kennen und geben Sie: von Ihrem Wissen, Ihren Kontakten und Ihrer Zeit. Alles andere gibt sich – davon singe ich Ihnen gerne ein Lied, aber das ein anderes Mal.

Möchten Sie mehr Input zum Thema „Networking“? Wollen Sie wissen, wie Sie zur erfolgreichen Netzwerkerin oder Netzwerker werden? Fragen Sie mich nach meinem Vortrag oder Seminar dazu.

In diesem Sinne,

Ihre Julia Kunz